Bundesliga-Schiri Sören Storks plaudert aus dem Nähkästchen

Von Mario Lacroix

Quelle: heimspiel-muenster.de

(10.10.17) Über den Video-Beweis diskutiert ganz Stammtisch-Deutschland. Infos aus erster Hand bekamen am Montagabend über 150 Schiedsrichter aus dem Kreis Münster. Sie fanden sich im VIP-Raum des SC Preußen Münster ein, um beim Lehrabend den Ausführungen Sören Storks zu folgen. Der ist frischgebackener Bundesliga-Schiedsrichter und sorgte mit vielen Anekdoten für prächtige Unterhaltung.

Als vierter Offizieller ist Sören Storks für das Freitagabendspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV eingeplant. Die drei Hauptschiedsrichter mussten die Nacht zuvor im Hotel verbringen. Der Zimmermannsmeister Storks setzt sich nach getaner Arbeit um 14.30 Uhr gemütlich in die Nordwestbahn. Weil er den ganzen Tag über zu wenig gegessen habe, schaufelt er sich in der Halbzeitpause drei Stücke Kuchen rein. Und dann? Verletzt sich Referee Dr. Felix Brych kurz nach Wiederanpfiff. „Du schaffst das schon“, gibt ihm Zwayer mit auf dem Weg. Weil der Eurosport-Player technische Probleme hat, guckt an den Fernsehern niemand zu. Aber im Stadion werden die Kölner und Hamburger Spieler sowie 50.000 Zuschauer langsam ungeduldig. „Die meisten wissen gar nicht, wie viel Technik wir inzwischen mit uns rumtragen. Bis das alles sitzt, dauert es eben.“

„Mavraj musste ich direkt vom Platz stellen“

Es knistert im VIP-Raum des SC Preußen Münster. Hier hat wirklich jemand Geschichten zu erzählen. Der erst 28-jährige Storks schildert, welchen Ritt er bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz mitgemacht hat. Während die Medien fast nur über Bibiana Steinhaus berichten, erlebt der bei Viktoria Heiden ausgebildete Referee seine Feuertaufe. „Mavraj musste ich direkt vom Platz stellen“, erklärt Storks. Damit hat er Geschichte geschrieben. Er spricht den ersten Platzverweis eines eingesprungenen Schiris aus. Richtig happy ist er, dass er die Schwalbe vom Hamburger Papadopoulos erkennt und mit Gelb ahndet. Vom Fachmagazin ‚kicker‘ gibt es die Note 2.

Nicht nur auf dem Spielfeld macht Storks eine gute Figur. Am Mikro begeistert der Mann, an dessen Auftritt in Münster der hiesige Schiedsrichter-Ausschuss lange gearbeitet hat. „Wir haben wieder einen Top-Act für euch“, versprach Lehrwart Thorsten Kaatz in seinen einleitenden Worten. Am regen Austausch, möglich aufgrund vieler Fragen aus der Zuhörer-Riege, wird klar, dass Kaatz nicht zu viel versprochen hat. „Fühlst du dich nicht bevormundet durch den Videobeweis? Also ich würd‘ dem ja sagen, dass er mich mal am Hobel blasen kann“, führt ein erfahrener Referee aus. Storks macht die Fisimatenten mit und antwortet mal locker, mal ernst. „Würdest du ein Bezirksliga-Spiel ohne die Unterstützung überhaupt noch hinkriegen?“, will einer wissen. „Also, beim Abseits hätte ich definitiv meine Probleme“, gibt Storks zu.

Kölner Protest aussichtslos

Warum der angekündigte Protest des 1. FC Köln nach den Querelen um den Videobeweis beim BVB-Gastspiel von Anfang an aussichtslos war, erklärt Storks. „Vielleicht ist Herrn Schmadtke erst später eingefallen, dass er ein Agreement unterschrieben hat.“ Dies sieht vor, dass die Bundesliga-Klubs die zweijährige Probephase dieses technischen Hilfsmittels mittragen, ohne bei der ersten Unstimmigkeit Protest einzulegen. Er selbst sei ein Fan der vieldiskutierten Neuerung. „Die größte Herausforderung“, so Storks, „besteht darin zu erkennen, dass eine Entscheidung klar falsch“ sei. Er glaubt, dass der Fußball gerechter geworden ist.

Gerecht wird der in Velen wohnhafte Storks seiner Rolle in Münster allemal. Nach genau 90 Minuten gibt es Applaus aus dem Plenum. Der Mann des Abends ergreift nochmal das Wort und bedankt sich für die Aufmerksamkeit. Die sei nicht selbstverständlich. Gelohnt hat sie sich für alle Beteiligten.

10.10.2017 von: Norbert Krevert