„Das Training ist immer noch die beste Abwechslung“

Sophia Kleinherne gehört zu den Top-Talenten im deutschen Frauenfußball. Bei der SG Telgte angefangen ging es für die Westfälin über den FC Gütersloh bis zum 1. FFC Frankfurt in die Frauen-Bundesliga. Auch für die A-Nationalmannschaft stand die 20-Jährige bereits auf dem Platz. Zudem verbrachte sie zwei Jahre im Mädcheninternat des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) und feierte auch mit der Westfalenauswahl große Erfolge. FLVW-Mitarbeiter Markus Trümper hat mit der Profi-Fußballerin über aktuelle Trainingsbedingungen, ihre persönlichen Ziele sowie ihre momentane Freizeitgestaltung gesprochen.

Frau Kleinherne, wie geht es Ihnen aktuell in den eigenen vier Wänden?

Sophia Kleinherne: Ich bin momentan bei Sjoeke und Sandrine (ebenfalls Spielerin des 1. FFC Frankfurt, Anm. d. Red.) untergekommen, weil das Internat geschlossen ist. Wir machen das Beste daraus.

Dann haben Sie ja immerhin ein bisschen Gesellschaft. Was machen Sie tagsüber so?

Kleineherne: Wir haben vormittags Training, kochen anschließend zusammen und danach lerne ich für meine mündlichen Abiturprüfungen. Ansonsten genießen wir die Sonne, spielen viel und schauen Filme.

Was fehlt Ihnen am momentan meisten?

Kleinherne: Das Training und vor allem die Bundesliga-Spiele mit der Mannschaft, die fehlen schon extrem. Außerdem das Treffen mit Freunden und gemeinsam Dinge zu unternehmen, oder auch einfach mal wieder gemütlich ins Restaurant oder Café zu gehen.

Wie läuft das Training zurzeit bei Ihnen eigentlich ab?

Kleinherne: Wir sind letzte Woche ins Kleingruppentraining mit vier Spielerinnen eingestiegen. Diese Woche durften wir auf sechs Spielerinnen auffüllen. Das Training ist sehr individuell strukturiert, mit vielen abwechslungsreichen technischen Übungen, oft auch einem athletischen Teil und ab und zu auch den ein oder anderen Läufen.

„Es ist schade, dass wir jetzt gezwungenermaßen gestoppt werden“

Kommen wir mal etwas allgemeiner auf Ihre Karriere zu sprechen: Sie haben im November 2019 Ihr Debüt für die A-Nationalmannschaft gefeiert und damit einen riesigen Karrieresprung gemacht. Ärgert es Sie, ausgerechnet jetzt pausieren zu müssen.

Kleineherne: Genau. Das war ein unvergessliches Erlebnis für mich und ich habe nicht damit gerechnet. Umso schöner war es natürlich, den Moment zu erleben. Dass wir nun zu dieser Pause gezwungen sind, ist extrem schade. Auf der einen Seite stünde nun die Vorbereitung auf die U20-Weltmeisterschaft in Costa Rica/Panama auf dem Plan. Und auf der anderen Seite ginge es nun mit der A-Nationalmannschaft in die EM-Qualifikation. Auch im Verein hatten wir eine gute Phase und haben zuletzt alle drei Spiele gewonnen. Wir waren gut drauf und es ist schade, dass wir jetzt gezwungenermaßen gestoppt werden.

Zwei Ihrer großen Erfolge waren auch die Länderpokal-Siege mit der westfälischen U18-Auswahl. Wie wichtig war die Westfalenauswahl bei Ihrem Weg in den Profifußball?

Kleinherne: Das waren auf alle Fälle sehr wertvolle und wichtige Jahre für mich. Sowohl die Zeit in den U-Mannschaften der Westfalenauswahl, als auch meine zwei Jahre auf dem Internat in Kaiserau haben mir die Möglichkeit gegeben, mich menschlich und sportlich optimal weiterzuentwickeln. Außerdem habe ich dort tolle Menschen und Wegbegleiter kennengelernt, denen ich sehr dankbar bin.

Eine Wegbegleiterin auf dem Internat war ja auch ihre derzeitige Mitbewohnerin Sjoeke Nüsken. Haben Sie sich über ihren Wechsel zum FFC gefreut?

Kleinherne: Ja, ich habe mich sehr darüber gefreut! Ein Stückchen Heimat kam nach Frankfurt (lacht). Es ist schön zu sehen, dass sie ihren Weg hier geht.

Wie der Weg im Fußball weitergeht, ist noch ungewiss. Für die Wiederaufnahme der Bundesliga wird gerade der 9. Mai diskutiert, doch auch dieser Termin steht noch nicht fest. Hat man bei so einer ungewöhnlichen Saison noch Ziele?

Kleinherne: Es ist natürlich ungewohnt, in so einer ungewissen Situation zu stecken. Schade, dass uns Höhepunkte wie die U20-WM beispielsweise gestrichen werden. Es ist immer schöner, ein bestimmtes Ereignis vor sich zu haben, auf das man dann hinarbeitet. Schön wäre natürlich, wenn die Saison in den Vereinen zu Ende gespielt werden kann und wir endlichen wieder kicken können. Das würde uns schon mal sehr freuen.

Und was sind Ihre persönlichen Ziele für die nächsten Jahre?

Kleinherne: Ich freue mich sehr auf die neue Saison mit der Eintracht. Ich denke, da erwarten uns neue Ziele und Herausforderung. Ich persönlich möchte weitere Erfahrungen in der Liga sammeln und somit versuchen, mich weiter für die A-Nationalmannschaft zu beweisen.

Dabei wünschen wir Ihnen jeden Fall viel Erfolg. Sie haben zu Beginn des Interviews erwähnt, dass Sie in der WG viel spielen und Filme schauen. Haben Sie abschließend noch einen Tipp für alle, die gerade auch viel Zeit zu Hause verbringen müssen?

Kleineherne: Ich denke, jeder findet gerade Dinge, die ihm gefallen, von denen man zuvor nicht wusste. Ich kann Gesellschaftsspiele mit Freunden oder der Familie empfehlen. Ansonsten genießen wir das Wetter mit Spaziergängen oder Fahrradtouren im Park. Allerdings ist das Training dann doch die beste Ablenkung (lacht).

28.04.2020 von: Norbert Krevert