Jörg Riethues an vielen Fronten gefordert: Vier Jobs und ein Motorrad

Quelle: Westfälische Nachrichten (wn.de) Von Jürgen Beckgerd
Münster – Manche sagen, er sei ein Multi-Tasker. Auf alle Fälle hat Jörg Riethues viel Kompetenz in der münsterischen Leichtathletik auf sich vereint. Arbeiten muss der 49-Jährige schließlich auch noch und etwas Zeit für sein schnelles Hobby soll auch noch sein.

Es klingt ein wenig abgehoben, ist aber Realität: Die Leichtathletik bestimmt sein Leben als Vorsitzender des Kreis-Leichtathletik-Ausschusses (VKLA), als Sportlicher Leiter der LG Brillux Münster und dessen Cheftrainer sowie als Vorstandsmitglied im Stadtsportbund Münster ( SSB ). Jörg Riethues hat im Wortsinn alle Hände voll zu tun, wenn es um „seine“ Sportart geht. Die münsterische Leichtathletik hat aktuell vor allem eine Stimme: die des 49-jährigen ehemaligen Marathon-Läufers (Bestzeit 2:27 Stunden). Die EM in Split 1990 verpasste er wegen einer Verletzung. Vor sechs Jahren hat er seinen letzten Marathon bestritten, dann passierte ein Radunfall. Einen langen Atem braucht der hauptberufliche Arzt-Assistent der Lengericher Helios-Klinik.

15 Jahre lang war Riethues im FLVW-Kreis Tecklenburg (als Mitglied bei Teuto Riesenbeck) unter anderem Leichtathletik-Ausschuss-Vorsitzender und Trainer. Nun habe er eine „Mammutaufgabe“ im Kreis Münster übernommen, sagt Riethues. Bei aller Ämter- und Aufgabenfülle erweckt er nicht den Eindruck von Unruhe oder gar Getriebenheit. „Der Sport fehlt mir zurzeit ein wenig“, sagt er und drückt seinen breiten Rücken etwas mehr durch. Wenn er noch Zeit findet zwischen seiner Arbeit und den anderen Jobs, fährt er Motorrad. In der Garage hat er eine 250er Bandit stehen – viel Zeit, sie zu fahren, hat er nicht.

Welches „Kind“ ihm am liebsten ist – der Kreis-Ausschuss, der Stadtsportbund oder die LG Brillux Münster – bliebt unbeantwortet. Genug zu tun gibt es für Riethues auf allen Ebenen. Besondere Bedeutung hat natürlich der Fortbestand des Landesleistungsstützpunktes in Münster, der bei wem auch immer angedockt werden soll. „Wichtig für den Kreis, für die LG Brillux ist das weniger relevant“, schildert Riethues. Noch ist beim Landesverband nicht entschieden, ob die LGB stützpunktragender Verein wird. Das erforderliche Sportkonzept müssen Riethues und Mitstreiter bis zum nächsten Monat vorgelegt haben.

Im Kreis „wollen wir wieder mehr Meisterschaften“ hierher holen. „Wir führen ganz viele Gespräche“, sagt Riethues. Aber: „Kein Problem, das Team ist klasse.“ Das gelte im Übrigen auch für den Stadtsportbund, in den ihn Vorsitzender Michael Schmitz „gelotst“ hatte, als der im Sommer vergangenen Jahres die Nachfolge von Jochen Temme angetreten war.

An diesem Freitag fährt Riethues mit seiner „Abteilung Lauf“ der LG Brillux Münster ins Trainingslager nach Malente, derweil die „Sprint- und Sprung-Gruppe“ ins portugiesische Monto Gordo aufbricht. „Sehr wichtig“ seien diese zum Teil vom Namenssponsor bezuschussten Trainingslager „für die Jungen, um voranzukommen und für die Älteren, um Belastungsspitzen zu trainieren“. Die LGB – als Nachfolger der LG Ratio ein Zusammenschluss von Leichtathletik-Abteilungen aus sechs Grundvereinen – spielt in der münsterischen Leichtathletik-Szene eine gewichtige Rolle. „Wir sind ein Ausbildungsverein“, beschreibt Riethues – ein stetig wachsender zudem: 2013 gab es 58 Startpass-Inhaber, nun sind es 252. Einher damit ging auch die Anzahl der erfüllten DM-Normen in fast allen Altersklassen (mit Schwerpunkt auf die U 16, U 18 und U 23) von zwei (2013) auf 34 (2018). „Ich gehe davon aus, dass wir im Bereich der U 16 einen neuen DM-Nennungsrekord aufstellen werden“, sagt Riet­hues. Dass Münsters Leichtathletik schon mal weiter und erfolgreicher war, ist nach dem Rückzug des SC Preußen in der Topsport-Sparte Geschichte. Die Gegenwart spielt bei der LG Brillux, glaubt Riethues. 2024, und dann die Olympischen Spiele, bestimmen seine Perspektive. Ein, zwei Kandidaten aus der LGB hat der Coach im Blick. Viel (Trainings-)Arbeit bleibt für Jörg Riethues und Mitstreiter bis dahin auf jeden Fall.

12.04.2019 von: Norbert Krevert