Mädchen-Teams haben den Dreh raus – und in Gelmer eine neue Heimat

Quelle: wn.de

Von Thomas Austermann

Im schönen Heidestadion zu Gelmer haben die Mädchenauswahl-Mannschaften des Kreises Münster ihre neue Heimat gefunden. Dort werden sie von einem engagierten Trainerteam gecoacht, das gerne die Strukturen weiter verbessern würde. 

Dass hier sportliche Qualität ausgebildet und abgeliefert wird, ist mehrfach belegt worden. Die Mädchen der Kreisauswahl-Teams hängen in Westfalen die Konkurrenz ab. Die U 15 gewann drei Mal in Folge den vom Landesverband FLVW ausgerichteten Vergleich der 29 Kreise, die U 13 zuletzt zwei Mal. Der vorzeigbare Erfolg ist die eine Seite. Viel wichtiger aber sind andere Facetten des Auswahltrainings.

Neuerdings tummeln sich in Gelmer 22 Spielerinnen der Jahrgänge 2004 und 2005 in der U 15 und 21 der Jahrgänge 2006 und 2007 in der U 13. Sie kommen aus dem gesamten Fußballkreis Münster – von Altenberge bis Herbern, von Havixbeck bis Warendorf, von Wacker Mecklenbeck bis zum SC Gremmendorf sind derzeit 22 Clubs vertreten. Der frisch verlegte Kunstrasen im Heidestadion wird jeden Montag in Beschlag genommen. Hier laufen lauter gut gelaunte und wissbegierige junge Kickerinnen auf und lernen im strukturierten Training auf hohem Niveau Woche für Woche dazu. GW Gelmer stellt den Quartiergeber gerne und unterstützt die Fortbildung.

„Die Trainingsbeteiligung ist enorm und sorgt für viel Qualität“, sagt Klaus Franke, der U-13-Coach. Obschon die Messlatte intern hoch liege, „ist der Spaßfaktor groß. Die gute Laune überträgt sich.“ Franke ist in seiner dritten Saison verantwortlich und erlebt die Spielerinnen „sehr zielorientiert und konzentriert“ bei den anspruchsvollen Einheiten. „Die Mädchen hören gut zu und setzen viele Vorgaben bemerkenswert schnell um“, sagt der Trainer.

Die Förderung der hiesigen Spitzenspielerinnen aus den Vereinen hat sich auch die im fünften Jahr tätige Irmhild Venschott, als 2. Vorsitzende von Borussia Münster ehrenamtlich auch an anderer Stelle im Einsatz, auf die Fahnen geschrieben. Die U-15-Trainerin nimmt im Zweifel sogar mehr Spielerinnen ins Programm auf, als es Usus ist. „Wir entscheiden im Zweifel für die Aktiven“, sagt sie überzeugt.

Wer in Gelmer am Ball ist, wurde zuvor gesichtet. Das Scouting läuft auf unterschiedlichen Wegen ab. Mal gibt es Tipps von Vereinstrainern, oft sind es aber auch Vor-Ort-Eindrücke der Auswahlcoaches bei Wettbewerben. Im Mittelpunkt steht der Grundsichtungstag, zu dem der Verband einlädt. Bezogen auf Münster trafen sich zuletzt in Albersloh 80 junge Kickerinnen und bewarben sich. Nicht jedem Verein ist es ein Anliegen, die Besten zu melden. Venschott hat schon leidvoll erfahren, „dass manche glauben, dass der Zusatztermin eher eine Belastung sei“. Dem Ansatz kann sie rein gar nichts abgewinnen. „Wir wollen all jene fördern, die das verdient haben.“ Die Schulung bezieht sie nicht allein auf die Ballarbeit. „Zu 60 Prozent sind wir in der Kommunikation gefordert. Wir müssen wissen, was los ist. Und zwar bei jeder einzelnen Spielerin.“

Grundsätzlich sei der Draht zu den Clubs, den Heimtrainern und den Eltern der Auserwählten ein funktionierender. „Wir hören auch mal, dass unsere Inhalte in das Vereinstraining einfließen.“ Dank der Unterstützung von Assistenten wie Torwarttrainerin Monika Engwerda, Anne-Katharina Trupp (beide von Borussia Münster) oder Tobias Habersack aus dem medizinischen Fitnessbereich sind in Gelmer vielfältige Spezialisierungen drin, die andernorts kaum umgesetzt werden können. Auch das motiviert die Auswahlen – ebenso die selbst organisierten Vergleiche mit jeweils älteren Gegnern.

Nicht reibungslos läuft es mit der verbandsseitig festgezurrten Regelung, wonach die zur Westfalenauswahl hochgerückten Besten aller Guten nicht mehr am Kreisauswahltraining teilnehmen dürfen, sondern zu den Jungs in die DFB-Stützpunkte zitiert werden. Um sich dort auf einem auch körperlich anderen Niveau zu verbessern. „Oft sind die Mädchen deswegen frustriert und wollen am liebsten zu uns zurückkehren“, sagt Venschott. Zumal sie und Franke auch mit der Kommunikation des Sport-Centrums in Kaiserau wenig glücklich sind. „Wir machen das alles für die Mädchen. Und nicht für den Verband“, so der Coach.

06.10.2018 von: Norbert Krevert