SV Blau-Weiß Aasee begeistert mit FLVW-Inklusionsturnier

Am vergangenen Sonntag (25.02.2018) war das Schulzentrum in Münster-Wolbeck Schauplatz eines ganz besonderen Events. Rund 180 Kinder, Jugendliche und Erwachsene trafen sich in den beiden Sporthallen des Schulzentrums um Fußball zu spielen. Das Besondere: Die Mehrheit der Spielerinnen und Spieler hat ein Handicap. Menschen mit den verschiedensten Behinderungen, Verhaltensauffälligkeiten oder anderen Einschränkungen kamen aus ganz Westfalen nach Münster um gemeinsam zu kicken. Im Mittelpunkt standen dabei nicht die Ergebnisse, sondern Gemeinschaftserlebnis und Spaß am Sport.

Das Turnier im Südosten Münsters war das Zweite der Inklusionsturnierserie des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen (FLVW) und wurde vom Verein SV Blau-Weiß Aasee ausgerichtet. Der Verein, der mit seinen rund 2.500 Mitgliedern einer der größten Sportvereine in Münster ist, bezeichnet sich selber als „offener Stadtteilverein, in dem sich die Gesamtheit der Stadtteilbevölkerung mit ihren unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen wiederfinden soll.“ Ein Leitbild, dessen erfolgreiche Umsetzung sich in der Gründung einer eigenen Abteilung „integrativ-inklusiver Sport“ widerspiegelt und beim inklusiven Fußballturnier deutlich wird.

In den beiden Hallen herrschte eine besondere Stimmung. Auch beim zwölften Tor jubelten noch die Spieler aller Mannschaften, am Seitenrand wie auf dem Platz, manchmal auch bei der Mannschaft, die gerade das Tor kassierte. Im Mittelpunkt stand das Fair Play. Wegen der aktuellen Grippewelle musste ein Team stark dezimiert anreisen, sofort sprangen aus den anderen Teams Spieler ein. In einem anderen Spiel steht ein Junge im Seitenaus. Sein Trainer redet minutenlang auf ihn ein, seine Mannschaft braucht ihn. Doch zur Rückkehr auf den Platz ließ er sich nicht mehr bewegen, der Gegner nimmt zum Ausgleich einen seiner Spieler vom Feld. Von da an spielten halt nur noch vier gegen vier. Blau-Weiß Aasee trat in einigen Altersklassen mit zwei Mannschaften an. Aus den Trainingsgruppen wurden vor dem Turnier durch einen Mannschaftsrat zwei gleichstarke Teams aufgestellt, fair und für alle gerecht.

„Besonders froh bin ich darüber, dass im Bereich U12 heute vier Mannschaften antreten. Diese Altersklasse haben die meisten Vereine nämlich noch nicht. Ich persönlich finde die U12 klasse, die haben immer einen Riesenspaß, wenn die zum Fußballspielen zusammenkommen“, sagt Dietmar Sonius, Vorsitzender der Vereinsjugend und Koordinator des inklusiven Sports bei BW Aasee. Er ist der Organisator des Turniers und der „Hauptmotor“ der inklusiven Aktivitäten des Vereins. Der 59-jährige Familienvater ist seit 30 Jahren Förderschullehrer und damit Fachmann für die Inklusion, Integration und Förderung von eingeschränkten und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen. Er koordiniert die vier inklusiven Fußballgruppen und trainiert eine davon selber.
Die inklusiven Sportgruppen des SV BW Aasee stehen prinzipiell jedem offen. Wichtig ist das gemeinsame Training aller – und der Zusammenhalt. „Der Freitagnachmittag auf unserer Sportanlage am Aasee gehört praktisch uns“, erklärt Sonius. „Die Teams haben auch WhatsApp-Gruppen, in denen alle miteinander kommunizieren. Wenn jemand Geburtstag hat, hat er morgens schon 24 Nachrichten und Glückwünsche, da freut sich natürlich jeder drüber.“

Und nicht nur in den Mannschaften finden Menschen mit Handicaps ihren Platz. Aktuell arbeiten zwei Menschen mit Behinderungen in der Abteilung mit – als Betreuer, Organisatoren, Helfer. „Wir wollen die ebenso mit in die Verantwortung ziehen, wie die anderen Trainer und Betreuer auch“, betont Sonius.
Der Verein legt besonderen Wert auf die Normalität des Engagements. „Die Spieler gehen nach dem Training wie alle anderen in die Cafeteria in unserem behindertengerechten Vereinshaus. Dort treffen sich nach dem Sport Behinderte und Nicht-Behinderte und jeder weiß: Das ist bei Blau-Weiß normal!“ Damit handhabt man das Thema Inklusion ganz einfach. „Es wird ja immer diskutiert, was Inklusion eigentlich bedeutet“, so Sonius. „Wir bei Blau-Weiß haben es vereinfacht und sagen: Inklusion bedeutet ‚Willkommen im Verein!‘.“

Für sein gesellschaftliches Engagement hat der Verein zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Der Bürgerpreis in Gold der Stadt Münster, der Fußball-Bildungspreis der Akademie für Fußball-Kultur, die Auszeichnung „Behindertensportverein des Jahres 2013“ und nun die Sepp-Herberger-Urkunde sind besonders hervorzuheben. Bemerkenswert ist, dass der erste Preis im Jahr 2005 verliehen wurde, jetzt folgt 2018 die Sepp-Herberger Urkunde. Ein Spiegelbild für die Nachhaltigkeit, die eines der obersten Ziele der Abteilungsarbeit ist. „Uns ist besonders wichtig, dass wir konstant gut ausgebildete und vorbereitete Trainer und Übungsleiter haben, um nachhaltig die Mannschaften sichern und anbieten zu können“, betont Sonius. „Es ist kein Projekt für den Moment, sondern bei Blau-Weiß Aasee ist die Säule ‚Inklusiver Sport‘ aus dem Gesamtverein nicht mehr wegzudenken. Wir sind eine Willkommenskultur für Inklusion. Seit 1998.“

„Ehrenamtliche wie Dietmar Sonius sind für die Fußballkultur im Kreis Münster von besonderem Wert und müssen von unserem Kreis und dem Verband unterstützt werden“, betont der Kreisvorsitzende Norbert Reisener. „Das Engagement von Vereinen wie BW Aasee, mittlerweile aber auch dem TuS Altenberge im Bereich des inklusiven Sports, sind für die gesellschaftlichen Aufgaben des Fußballs in Münster wichtig!“ Norbert Reisener konnte Dietmar Sonius als Inklusionsbeauftragten des FLVW-Kreises Münster gewinnen, eine Position, die noch lange nicht alle Kreise in Westfalen besetzt haben. Sonius dient damit als erster Ansprechpartner im Kreis für Sportler und Vereine und gibt so seine langjährige Erfahrung an alle Interessierten weiter.

Die ersten, die am Turniertag des FLVW-Inklusionsturniers ihre Spielrunde abgeschlossen haben, sind die Jüngsten der U12. Damit die Wartezeit auf die Älteren nicht zu lang wurde, veranstaltete man noch ein Sieben-Meter-Schießen. Allerdings ohne Wertung, keiner zählte die Treffer mit. Spieler, Eltern und Trainer standen dicht gedrängt um das Tor, während jeder Spieler einmal schießen durfte. Bei jedem Schuss wurde gejubelt, vollkommen egal ob der Ball drei Meter neben das Tor kullerte, der Torwart den langsamen Ball nicht festhalten konnte oder ein Spieler beim Anlauf von seinem Trainer begleitet werden musste. Das Ergebnis stand nirgendwo im Vordergrund, es ist die gemeinschaftliche Freude, an die sich alle gerne erinnern werden.

Text und Bilder: Felix Schemmann

01.03.2018 von: Norbert Krevert